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Regionale Touren
- 500 km von und nach Schwerin
- Jagdschloss Friedrichsmoor
- Von Neukloster bis Rostock
- Rundfahrt um die Insel Poel
- Rundfahrt um die Insel Usedom
- Rundfahrt um die Insel Rügen
- Boddentour von Ribnitz-Damgarten nach Stralsund
- Von Travemünde bis Ueckermünde

500 km - Ein Rundkurs von und nach Schwerin - wie er lange nicht zu fahren war.

Auf der Suche nach neuen Zielen mit Boot und Zelt gab es diese Idee schon vor vielen Jahren. Eine Verwirklichung war damals unmöglich, da unser Elbe-Abschnitt im gesperrten Grenzgebiet lag. So trafen sich Anfang Mai vier rüstige Alt-Kanuten - alle so um die 60 Jahre alt - im Schweriner Kanubootshaus, um zu dieser sorgfältig geplanten Tour aufzubrechen. Schon am frühen Morgen wurden die vier Einer-Kajaks mit Zeltausrüstungen, Packsäcken, Kocher und sonstigem Gerät beladen. Vor dem Start am Schweriner See noch ein Interview mit der Schweriner Lokalpresse, die an unserem Vorhaben lebhaftes Interesse zeigte. Viele Fragen waren zu beantworten, Fotos waren ebenfalls fällig. Nüchtern betrachtet wollten wir vier nur mal wieder auf längere Tour gehen, für drei Wochen auf den modernen Alltag verzichten und an schönen Zeltplätzen sitzen und die Natur genießen - eben so richtig Wasserwandern.

Bei glatter See und herrlichem Sonnenschein überqueren wir den Schweriner See und sind nach einer Stunde auf dem Störkanal. In Plate werden wir beim Lokalsender "Antenne M-V" zum nächsten Gespräch erwartet. Nach vielen Fragen (Robinson-Romantik, Abenteuerlust, raus der Stadt, Jugendträume? - von jedem wohl ein bisschen) gibt's für uns vier ein T-Shirt, das man als Paddler ja immer gebrauchen kann.Nach einer Stärkung im Störkrug in Plate geht's weiter zur Schleuse nach Banzkow. Der Störkanal führt uns durch das Naturschutzgebiet der Lewitz. Wir sehen Fischadler, Eisvogel und Graugans und hören die Rohrdommel. Der Gesang der Sprosser wird unser ständiger Begleiter. Unser heutiges Tagesziel, die Insel am Eldedreieck, ist nach weiteren Kilometern erreicht. Ein kleines Koch- und Lagerfeuer brennt schon bald, und die Erbsensuppe mit Speck brodelt im Topf. Ein schöner Sonnenuntergang mit alten Liedern zur Gitarre lässt den Tag ausklingen. Die erste Etappe mit 27km liegt hinter uns.

Unsere nächste Tagesetappe führt vom Eldedreieck bis Parchim-Slate. Nach kaltem Bad und verstärktem Frühstück geht es weiter. Klappernd begrüßt uns ein Storchenpaar vom hohen Nest. Nach Schleusung in Garwitz erreichen wir Parchim zum sehenswerten Stadtgang. Nach Gaststättenbesuch und Einkauf sehen wir während der Weiterfahrt Eisvögel am Ufer und Rehe am nahen Waldrand. Vom Naturzeltplatz Slater Tannen aus ist wieder die Rohrtrommel zu hören. Am Abend genießen wir die nächtliche Stille, unser Vagabundenleben und denken an die zweite Etappe zurück, die uns weitere 27 km der Heimat näher brachte, oder noch entfernte?

Am Morgen des dritten Tages wecken uns Kranichrufe. Nach reichhaltigem Frühstück erreichen wir Schleuse Neuburg und später die Stadt Lübz. Nach Stadtbesichtigung und Einkauf (nicht nur das bekannte Lübzer Bier!) geht's weiter über Schleuse Bobzin (7 m Hub) zum Rastplatz Kuppentin - direkt am Fluss und mitten im Wald. Unterwegs hören wir unser Gespräch mit dem Heimatsender. Fledermäuse in der Luft und Waschen im Fluss leiten zum Liederabend am Feuer über. Das Käuzchen begleitet unsere letzten Texte, bevor wir in den Schlafsäcken verschwinden. Heute haben wir 30km geschafft.Der nächste Morgen bringt uns von Kuppentin über den Plauer See, der uns mit starken Böen aus NW begrüßt, den Petersdorfer See, den Malchower See zum Zeltplatz Silz am Fleesensee. In Barkow und Plau muss noch geschleust werden. Das Wetter meint es gut mit uns.

Die Autobahnbrücke über den Petersdorfer See bildet ein neues auffälliges Panorama. Ein Stadtrundgang in Malchow, der uns zum Kloster und an der Drehbrücke vorbei führt, rundet diese Tagestour ab. Nach vier Tagen Kaltwasserkult fühlen wir uns unter der heißen Dusche und anschließendem kühlen Bier in Silz recht wohl. Allerdings müssen wir nach einer Tagesetappe von 30 km wegen starken Windes auf das Lagerfeuer verzichten.

Die nächste Paddelstrecke führt uns über Fleesensee, Kölpinsee, Reeck-Kanal, Binnenmüritz und Müritz-Ostufer zum Zeltplatz am Bolter Kanal. Sonne, kräftiger Wind und gute Fernsicht sind die heutigen Kriterien. Zur Mittagspause in Klink gibt es die übliche "Unterwegs-Verpflegung" Bouletten mit Brot, Zwiebeln und Obst, Bier oder Tee, Buttermilch oder Apfelsaft. Die gute Sicht ermöglicht einen Blick auf das Ostufer der Müritz. Obwohl der Wind unsere Einer mächtig schaukelt, sehen wir Fjällrinder, Fischadler am Horst und sehr viele Kormorane. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund sehen kann. Ein großer Findling knapp unter der Wasseroberfläche erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Das kann einen schon erschrecken lassen.Beim Zeltaufbau am Zeltplatz "Bolter Ufer" frischt der Wind noch mehr auf, und der erste Regen dieser Tour lässt uns nach Dusche und Abendbrot auf das Feuer verzichten. Auch ein Klön- und Liederabend ohne Gitarre, zumal nach einer stolzen Tagesetappe von 36km, kann auch recht schön sein.

Nach Regenschauern in der Nacht können wir morgens die Zelte trocken abbauen. Von der Müritz geht es weiter durch den Bolter Kanal, Caarpsee, Woterfitzsee, Leppinsee (der für Motorboote gesperrt ist), die Mössel, den Großen und Kleinen Kotzowsee, Granzower Möschen, Mirower See, Zotzensee und Mössensee zum Vilzsee. Wir sind nun mitten in der Seenplatte, und ein See wird vom nächsten abgelöst. Am Bolter Kanal rufen Kranich und Rohrdommel, Eisvögel sehen wir auch wieder. An der ehemaligen Schleuse ist das Umtragen der Boote mit dem vorhandenen Bootswagen kein Problem. Am Leppinsee sehen wir den Fischern bei der Arbeit zu. "Kaufen könnt Ihr in Mirow", heißt es auf Anfrage. Nach Sonnenschein ist schon bald Donnergrollen aus der Ferne zu hören. Schnell die Spritzdecken der Boote schließen und unter Uferschutz das Ding abwettern - so lautet die Parole. So schnell wie das Gewitter gekommen ist, verzieht es sich auch wieder.

Zwischenstation in Mirow, Einkauf, Stadt- und Schlossbesichtigung und weiter geht's zum Tagesziel am Vilzsee, das uns 26 km weiter gebracht hat.

Am nächsten Morgen Regenschauer, Frühstück gibt es unter dem mitgebrachten Regendach. Diese Tagestour geht vom Filzsee über Fleether Mühle, wo die Boote umgetragen werden müssen, in den Rätzsee, Drosedower Bach, Gobenow See zu einem Rastplatz an der Dollbeck, wo wir neben motorbootfreien Seen Natur pur vorfinden. Die Zelte stehen, das Regendach ist befestigt, die Kochstelle brennt, der Kessel hängt in der Astgabel, verlockende Düfte, es schmeckt wie immer. Anschließend kommt der unausweichliche Waldgang mit Spaten. Leiser Gesang zur Gitarre beschließt die heutige Tagesetappe mit 14km.

Am nächsten Morgen kriechen wir bei 6°C Lufttemperatur aus den Schlafsäcken. Schnelles Untertauchen und ein gutes Frühstück machen uns fit für den heutigen Ritt von der Dollbeck über den Labussee, Schleuse Canow, Pälitzsee, Hüttenkanal, Tietowsee, Jagowkanal und Schlabornsee zum Rheinsberger See im Brandenburger Land. Zunächst Sonne, dann kalter Wind und gegen Abend Regen sind unsere Begleiter. Nach der Mittagspause in Zechliner Hütte erreichen wir einen Naturzeltplatz bei Rheinsberg. Service: Ein Dreizylinder-Herzhäuschen, Wasserpumpe, Müllkübel und ein Feuerplatz. Aber was braucht man schon mehr? Abendessen unterm Regendach. Es gibt Kartoffelsuppe mit Einlagen wie Speckwürfel, viel Gemüse, Zwiebeln und natürlich Knoblauch, dessen spätere innere Reaktionen nach der heutigen 20 km Fahrt aus den Zelten unüberhörbar sind.

Weiter geht's im Brandenburgischen. Baden und Frühstück bei Morgennebel, später erst setzt sich die Sonne durch. Bis Rheinsberg ist es nicht weit, und eine Paddelrunde um das Rheinsberger Schloss sowie Besichtigung dieser geschichtsträchtigen Stadt sind obligatorisch.

Gekräftigt durch ein Mittagessen beim Italiener, setzen wir unsere Kajaks in den Rheinsberger Rhin mit dem Ziel Zippelsförde. Das Umtragen an der Brücke in Rheinshagen kostet viel Zeit, und schon fast im Dunkeln erreichen wir unseren Zeltplatz. Ohne Feuer und Musik wird es ein stiller Abend in der Natur. Nach nur 10 km darf nun das Käuzchen das Wort übernehmen.

Die Eisheiligen kündigen sich mit Null Grad am Morgen an. Das Bad im Fluss bringt den Kreislauf in Schwung. Wir verlassen den herrlichen Rhin und paddeln über den Zermützelsee, Tietzensee, Molchowsee in den Ruppiner See. Noch auf dem Rhin sehen wir Eisvogel und Fichtenkreuzschnabel, auch Reiher und unsere Greifvögel lassen sich häufig sehen. Der Ruppiner See empfängt uns ruppig mit viel Wind und Wellen. Gegen Abend legen wir beim Kanuheim in Neuruppin an. Heute haben wir 25 km geschafft.

Nach einem Ruhetag in Neuruppin mit Stadtgang bei schlechtem Wetter (Fontane, Schinkel, Neuruppiner Bilderbogen, Kirchturmbesteigung) geht es bei Sonnenschein und Starkwind über den Ruppiner See und bei Wustrau in den Wustrauer Rhin und vom Fehrbelliner Kanal in den Rhinkanal, der mit einer Schleuse und vielen Wehren aufwartet.

Mittagspause machen wir im historischen Gasthof "Zum alten Zieten" (Joachim Hans von Zieten: Zieten aus dem Busch, Vater aller Husaren). Bei gutem Wasserstand und nach einigen Baumhindernissen schlagen wir versteckt in der Natur unsere Zelte auf. Heute können wir stolz auf eine 30 km Etappe zurück blicken.

Vogelgezwitscher weckt uns in der Frühe. Einer von uns hat schlechte Laune. Er ist wohl nachts öfter mal von der Luftmatratze gerutscht. Nach Morgenwäsche und Frühstück geht es über den Rhinkanal in den Dreetzer See, nach Umtragen in den Bültgraben und in die neue Dosse. Auf dem Dreetzer See treffen wir ein Schwanenpaar mit einer Graugans in einträchtiger Familie. Eine Dreierbeziehungskiste im Tierreich? An einem der Wehre bespritzt sich unser Hobbyphotograph seine Kamera. Panik bricht aus! Eine Großbaustelle zwingt uns wenig später zum Umtragen der Boote über Wiese und Acker (500m). Danach sind noch einige Wehre zu überwinden. Inder Ferne sehen wir den Ort Rhinow. Zwischen Hochwasserdamm und Kiefernwäldchen finden wir einen windgeschützten, idealen Platz für die Nacht. Nach 30 km sind wir total geschafft.

Nach Regenschauern in der Nacht herrscht am Morgen paradiesische Ruhe. Auf unserer heutigen Etappe nach Havelberg (Neue Dosse, Havel) treffen wir kletternde Ziegen und Schafherden am Ufer. Auf der Havel begegnen wir größeren Flussschiffen. Bei sehr hohem Wasserstand haben wir sehr gute Landeinsicht in dem zu durchfahrenden Naturschutzgebiet. Hohe Biberburgen, Graugänse und Kraniche und ein großer Fischadlerhorst hoch im Baum sind die heutigen Höhepunkte.Vor uns liegt Havelberg. Beim Kanuverein SV 90 Havelberg auf der Spülinsel sind wir willkommen. Duschen, runter mit dem Viertagebart, Stadtgang und Dombesichtigung, Abendessen in der Kneipe, ein paar Mädels ... Wie bitte? In unserem Alter? ... dafür ein paar Bierchen, und dann geht es zum Tiefschlaf in die Koje. 17 km Fahrt und das Bier haben uns müde gemacht.

Nach verstärktem Frühstück sitzen wir wenig später in unseren Kajaks in der Schleuse Havelberg. Ein gleichmäßiger Regen will nicht aufhören. "Regensicher" verpackt erreichen wir die Elbe. Die ersten Kilometer schaffen wir ohne Wind bei etwa 12km/h. An Wittenberge ziehen wir im Regen vorbei. Aufwärmen können wir uns im Wirtshaus bei der Mittagspause in Hinzdorf, während draußen gerade Regenpause ist.Während der Weiterfahrt wieder Regen und Wind - natürlich meist von vorn. So erleben wir die frühere Staatsgrenze. Gegen Abend hat Petrus Mitleid mit uns und lässt unsere Boote in der Abendsonne leuchten. Wir erreichen Dömitz nach 83 km am Stück. Für heute ist die Kilometerzählerei zu Ende. Die Schleuse hat bereits Feierabend, und so schleppen wir unsere Boote über steiniges Ufer und Straße zum Bootshaus der Dömitzer Kanuten - eine böse Schinderei. Wir schlafen ein ohne Schlaflied.

Nach nächtlichem Trommelregen aufs Überzelt bauen wir es nass ab. Nach dem Frühstück ist die Stadtbesichtigung mit der Festung Dömitz für uns ein Muss. Auf der Elde schleusen wir in Neu Kalliß und Malliß und machen einen Abstecher zum Campingplatz Malliß an einem Seitenarm der Elde. Auf diesem Flussabschnitt sind eine Menge neuer Bootsanleger mit gutem Service entstanden. Nach Mittagsrast in Neu Göhren in der Gaststätte schleusen wir in Eldena bei strömendem Regen. An der Schleuse Güritz erwartet uns unser Reporter aus Schwerin mit Regenschirm und erhält von uns jede Menge Stoff für seinen Bericht über unseren Rundtörn über 500km.Restlos durchnässt erreichen wir gegen Abend den "Eldekrug" in Fresenbrügge. Über eine Rolle ziehen wir unsere Boote auf den Platz der DKV-Kanustation. Eine heiße Dusche, ein gutes Essen und ein frisches Bier beim kanutenfreundlichen Wirt versöhnen uns wieder. "Morgen früh kommt das Fernsehen zu Euch!" , meint zum Abschied unser Reporter. Heute liegen 29km hinter uns.

Am nächsten Morgen sind die Lukendeckel unserer Kajaks mit einer Eisschicht überzogen. Beim Fernsehteam für das "N3-Nord-magazin" ist schon ‚Action' angesagt. Wir beantworten viele Fragen, erläutern unseren Rundkurs, werden beim Packen und Ablegen gefilmt und dürfen wegen der Filmerei die Brücke in Grabow gleich mehrmals durchfahren. Der Stadtgang in Grabow muss leider ausfallen. Nach der Schleuse Grabow ist an der Hechtsforthschleuse nochmals Fernsehfilmzeit. Dann geht's weiter die Elde rauf nach Neustadt-Glewe, wo Stadtbesichtigung (Alte Burg und Schloss) und Einkauf anstehen. Nach der Lewitzschleuse erreichen wir wieder unseren ersten Zeltplatz, das Eldedreieck. Bei geräuschlosem Nähern erkennen wir am Ufer einen Biber, der sich auch durch das Klicken der Kamera nicht beim Fressen stören lässt - ein einmaliges Erlebnis. Unser Zeltabend wird durch einen herrlichen Sonnenuntergang verschönt. Unsere heutige Tagesetappe betrug 28 km.

Unsere letzte Etappe beginnt mit Nebel über dem Wasser und mit Sprossergesang in Busch und Baum. Letztes Frühstück in Gottes freier Natur, dann geht's auf Heimatkurs. Die Schleuse Banzkow hebt uns etwa einen Meter und bringt uns wieder auf die Höhe der Schweriner Seen. Zum Mittag im Störkrug hören wir unser Interview vom Vortag. Wirt und Gäste sind genau informiert über unsere Tour.Bei Einfahrt in den Schweriner See begrüßt uns die Silhouette Schwerins mit leichtem Wind und Sonnenschein. Am Bootshaus vom SV Post Schwerin werden wir mit Sekt begrüßt. Vier braungebrannte Kanuten - nicht mehr die Jüngsten, aber doch jung geblieben - müssen sich nach 18 Paddeltagen trennen, aber nur bis zur nächsten Tour.



 
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